Nach dem abmontieren des Motorkopfes konnte man sich die ersten Eindrücke des Motorinnenlebens machen.
Unglaublich: Selbst nach den 200.000 gelaufenen km war noch der original Hohnschliff an den Zylindern wie neu. Dieser feine Schliff ist dazu da, damit sich im Betrieb des Motors das Öl optimal an den Zylinderwänden verteilen und nicht leicht reißen/abgerieben werden kann.
Somit ist der Motorblock und der Zylinderkopf für den Instandsetzer vorbereitet.
Folgende Arbeiten wurden vom Instandsetzer durchgeführt:
- Block und Zylinderkopf werden auseinander gebaut
- Block und Kopf werden dampfgereinigt / gewaschen
- Block und Kopf werden geplant und geschliffen
- Die Installation wird vorbereit
- Zylinder mit der Verwendung der Torque Platte neu gehohnt
- Kurbelwelle auf Haarrisse geröntgt und vermessen
- Ventile reinigen und und ggf. einschleifen
- Einbau der neuen Komponenten in den Block / Kopf
Für den (reinen) Motor wurden folgende neue Komponenten verwendet:
- Toyota komplettes Dichtungsset Motor 2JZ
- HKS 1.4mm STOPPER Metall-Zylinderkopfdichtung
- JE Schmiedekolben
- JE Kolbenringe
- Clevites KW Lager
- Clevite Pleullager
- Pauter Schmiedepleuel
- ARP U/C Kopfbolzen
- ARP Kurbelwellenbolzen
- SSE 272 scharfe Nockenwellen
- SSE Shims under Bucket Conversion
- Unorthodox Racing Cam Gears
- GReddy Zahnriemen
Da man vor der Instandsetzung nicht sagen konnte, wie gut noch der alte Hohnschliff ist, wurden JE Übermasskolben bestellt und benutzt. (Daten werden noch nachgereicht) Da die JE Schmiedekolben aus Aluminium bestehen, ist deren Materialeigenschaften wesentlich anders, als die der original Toyota Kolben. So dehnen sich Schmiedekolben bei Hitze wesentlich mehr aus als andere. Für die Schmiedekolben müssen daher wesentlich größerer Werte verwendet werden.
Beim Aufbau eines (Renn)Motors muss entscheiden werden, ob man später nur Wert auf viel Leistung legt oder aber auch einen langlebigen Motor haben will. Je höher die Leistung umso höher auch die Materialbelastung.
Bei sehr hoher Leistung muss Rennsprit verwendet werden. Bei unserem Tankstellensprit ist eine Leistung von ca 600 - 700 PS an der Kurbelwelle möglich. Danach fängt der Motor an zu klopfen, weshalb man mehr Oktan fahren muss. Bei der Verwendung eines anderen Sprits herrschen u.a auch höhere Temperaturen.
Im Klartext heißt dies, dass für einen Rennmotor mit über 800 PS ein wesentlich größerer Ringgap verwendet werden muss. Bei über 1000 PS wird dieser noch größer und so war auch die tabellarische Auflistung auf dem Zettel der JE Kolben. Man kann also nicht in einem Moment einfach einen 330 PS Motor fahren und im anderen Moment einen 1000 PS.
Bei einem zu gering eingestellten Ringgap kann sich bei hoher Hitze der Ring komplett schließen und somit anfangen an der Zylinderwand zu schleifen. Der Verschleiß hier ist sehr hoch. Ein zu groß eingestellter Ringgap hat zur Folge, dass der Ölverbrauch wesentlich höher als normal ist und schlimmstenfalls ein Kolbenkipper den Motor zerstören kann.
Entschieden wurde bei diesem Motor für einen Ringgap für ca 800 PS.
Für den Zylinderkopf wurden wieder die original Ventile und Ventilfeder verwendet. Eine Drehzahlanhebung war bis dato nicht geplant, auch wäre für die geplante Leistung von 600 - 800 PS an der Kurbelwelle mit dem passenden Singleturbo keine Drehzahlanhebung notwendig.
Rückwirkend kann ich nun sagen, dass mit dem derzeit verwendeten PHR (T67) Turbolader der Fullboost von 1,1 Bar bereits bei 3800 Umdrehungen anliegt. Man kann die Leistung also noch weitere >3000 Umdrehungen ausfahren. Bei einer Leistung von über 1000 PS wäre zB ein großer Turbolader (z.B. T88) notwendig, welcher erst ab ca 5000 - 5500 Umdrehungen den vollen Ladedruck erreicht.
Eine Drehzahlanhebung ist hier selbstverständlich empfehlenswert, da man mit dem restlichen Drehzahlband diese Leistung kaum wird ausfahren können.
Für den Zylinderkopf wurden lediglich andere (scharfe) Nockenwellen und andere Ventilkappen verwendet.
Die Funktion der anderen Ventilkappen ist leicht erklärt.
Während man original das Ventilspiel an den oberen "Plättchen" (Shims) einstellen muss, werden bei dem "Shims under Bucket" System diese unter der Kappe verwendet.
Mal abgesehen davon, dass dieses System im Vergleich zu dem original System wesentlich leichter ist, so bewegen sich die Nockenwellen nun nicht mehr auf dem Einstellplättchen (Shims), sondern direkt auf der ganzen Kappe (Bucket).
Wesentlich höhere Drehzahlen sind zumindest in diesem Bereich möglich.
Jedes Shim (das kleine Stück rechts auf dem Foto) musste natürlich passend zu den Ventilen eingeschliffen werden. So war der untere Bereich viel zu lang und es bestand die Gefahr, dass das Shim gleich beim ersten Motorstart die Ventilkeilen raus drücken würde.
Somit wurde die Höhe des Shim unter der Berücksichtigung der Materialausdehnung um 1,5 mm gekürzt, sodass zwischen dem Shim und der Ventilkeile ein Spalt von 0,15 mm besteht.
Das relativ zeitraubende und komplizierte einstellen des Ventilspiels mit dem neuen System werde ich später noch erklären.